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Plagiat – Warum Dr. Google zu Unrecht seinen Titel trägt

Plagiat – per Definition laut Duden die – „unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen o. Ä. eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung; Diebstahl geistigen Eigentums“. Besonders nach aktuellen Vorkommnissen werden Bachelor- und Abschlussarbeiten sowie Dissertationen u.Ä. (besonders) streng unter die Lupe genommen. Wie genau wir an der FH CAMPUS 02 solche Fälle prüfen und welche Maßnahmen es gibt, den sogenannten Plagiatsvorwurf zu umgehen, lest ihr im folgenden Blogbeitrag.

„Abschreiben ohne die Quellenangabe ist in wissenschaftlichen Texten nicht erlaubt. Mit einer Quellenangabe kann man Textteile inhaltlich oder wortwörtlich übernehmen, wenn man sich an einige Regeln hält“, erklärt Christina Hollosi-Boiger (Schreiben mit Chribs), die an der FH CAMPUS 02 und zahlreichen anderen österreichischen Hochschulen als Schreibtrainerin und Lektorin tätig ist. Die Ehrlichkeit sei dabei das Gütekriterium, das allem zu Grunde liegt, führt die Expertin aus: „Wissenschaftliche Texte bauen immer auf anderen Texten auf, daher gilt es in diesen Textabschnitten immer genau anzugeben, woher welcher Gedanke stammt. Oder einfach gesagt: Man muss das Ricola-Prinzip anwenden und bei jedem Abschnitt fragen: Wer hat’s erfunden? Alle Textabschnitte, die nicht mit Quellenangaben verstehen sind, müssen durch eigene Forschungsergebnisse, logische Argumentation oder durch andere Nachweise belegt sein.“

Was sind konkrete Beispiele von Plagiaten in Abschluss- und Bachelorarbeiten?
  • fehlende Quellenangabe einer Textpassage (= man gibt das dort wiedergegebene Wissen als eigene Erkenntnis aus, anstatt das fremde geistige Eigentum zu kennzeichnen)
  • ein direktes Zitat wird nicht als solches gekennzeichnet, sondern als indirektes Zitat (= die Merkmale eines direkten Zitats, wie Anführungsstriche und die Angabe des*der Autor*in sind nicht erfüllt)
  • Extremfall: Ganze Arbeiten oder Kapitel werden aus fremden Werken kopiert, ggf. übersetzt und als eigenes geistiges Eigentum eingereicht
  • Fehlerhafte Empirie (= in vielen wissenschaftlichen Arbeiten, die zum Erlangen eines akademischen Grades notwendig sind, ist ein empirischer Teil notwendig, in welchem qualitativ oder quantitativ gearbeitet werden muss. Das sind z.B. Fragebögen, Interviews oder Expert-Talks etc.)
Wie wird ein Plagiat aufgedeckt?

Grundsätzlich ist es gut und richtig, seine eigenen wissenschaftlichen Überlegungen mittels anderer wissenschaftlicher Quellen zu untermauern, nur müssen diese klar als solche gekennzeichnet sein. Plagiate werden im Normalfall entweder durch den*die Betreuer*in aufgedeckt, zusätzlich dazu noch mittels Plagiatscan-Software identifiziert. In diesen Scan-Programmen gibt es gewisse Kriterien, unter jenen die Abschluss- und Bachelorarbeiten bzw. Dissertationen geprüft werden. So ist ein hoher Anteil an wörtlichen Textübernahmen bei manchen Studien erlaubt bzw. nicht zu umgehen, da es in den Rechts- oder Naturwissenschaften notwendig ist, Paragraphen oder Formeln genauestens zu übernehmen. Gibt es den Verdacht auf Plagiat wird der*die Verfasser*in kontaktiert und bei eindeutigem Ergebnis die Arbeit mit „nicht genügend“ bewertet.

Wie kann ich sicher gehen, ein Plagiat zu verhindern?

Wissenschaftliches Arbeiten ist in den meisten Studien ohnehin fixer Bestandteil des Studienplans. In den ersten paar Semestern lernt man bereits, wie man Quellen richtig angibt, Textpassagen oder Aussagen zitiert und auf geistiges Eigentum fremder Personen, also nicht mir als Verfasser*in, hinweisen kann. Natürlich können Fehler passieren, wichtig ist aber, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, die zu verwendenden Quellen gut zu organisieren und Zitate und Inhalte anderer Autor*innen am besten gleich nach dem Abtippen zu bibliographieren. Gute Unterstützung bieten dabei Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero oder Citavi. Auch die Richtlinien zur richtigen Zitierweise der einzelnen Hochschulen liefern eine wichtige Orientierung, die unbedingt eingehalten werden sollte.

Die Schreibtrainerin ergänzt: „Neben den Zitierrichtlinien sollten die wissenschaftlichen Gütekriterien während des gesamten wissenschaftlichen Arbeits-, Schreib- und Forschungsprozesses präsent sein. Zu Beginn der wissenschaftlichen Abschlussarbeit wird ja die eidesstattliche Erklärung abgegeben, in der versichert wird, die wissenschaftlichen Tätigkeiten und den vorliegenden Text selbstständig und ohne unerlaubte Hilfsmittel erstellt zu haben. Hier wird auch erklärt, alle im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt übernommenen Formulierungen und Konzepte zitiert und durch genaue Quellenangaben gekennzeichnet zu haben.“

Welche Quellen kann/soll ich verwenden?

Google machts möglich: sofort nach Eingabe eines Keywords erscheinen Millionen an Einträgen dazu. Doch wie kann man die Validität der Quelle überprüfen, sodass ich diese in meine Arbeit ruhigen Gewissens einbeziehen kann? Neben analogen Quellen wie Bücher und Zeitschriften namhafter Verlage gibt es eine Vielzahl an wissenschaftlichen E-Journals, Datenbanken und Plattformen, die profunde Arbeiten umfassen. Ein wichtiger Tipp ist, einen Blick auf die Autor*innenschaft zu werfen und zu hinterfragen, wie bekannt diese*r ist, wieviel er*sie zu dem Thema veröffentlicht hat und ob der*die Autor*in in anderen Quellen häufig zitiert wurde. Auch der Kontext, in dem die Publikation veröffentlicht wurde, ist zu beachten: Handelt es sich um z.B. um einen wissenschaftlichen Artikel, der einem Double-Blind-Review durch andere Wissenschafter*innen unterzogen wurde oder um eine unveröffentlichte Powerpoint von einer Verkaufsveranstaltung einer Firma? Generell gilt die Regel, „graue Literatur“ zu vermeiden und sich an Arbeiten zu orientieren, die mindestens einen akademischen Grad höher einzustufen wären (z.B.: beim Verfassen einer Masterarbeit => Dissertation als Quelle verwenden). Die Bibliotheken der Hochschulen sind Teil des österreichischen Bibliothekenverbunds, welcher sehr gut vernetzt ist. Sie offerieren breit gefächerte Online-Zugänge und sind für die Offline- und Onlinerecherche eine zentrale Anlaufstelle. Beherzigt man diese Tipps, versteht man recht schnell, warum Wikipedia oder Dr. Google meist keine guten Ratgeber für wissenschaftliche Quellen sind, wohl aber in der Erstrecherche, am Weg zu validen Quellen, herangezogen werden können.

Christina Hollosi-Boiger: „Meine Tipps für Sie lauten: Gehen Sie strukturiert vor und ‚verwursten’ Sie nicht einfach Zitate und Quellen. Planen Sie die Textaussage, belegen Sie sie (durch Quellenangaben oder Forschungserkenntnisse) und dann schreiben Sie. Nehmen Sie sich dafür kleine Schritte vor, arbeiten Sie diese nacheinander ab und holen Sie sich Unterstützung: bitten Sie Fach-/Studienkolleg*innen um eine inhaltliche Einschätzung (Ist das logisch? Sind meine Ausführungen inhaltlich nachvollziehbar?), fragen Sie bei Expert*innen aus der Wissenschaftsdomäne um Feedback (Entspricht der Text den wissenschaftlichen Gütekriterien? Erfüllt der Text die Strukturmerkmale wissenschaftlicher Texte? Verwende ich Formulierungen, die der Wissenschaft angemessen sind?) und lassen Sie qualifizierte Personen die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung prüfen.

In jedem Fall ist das wissenschaftliche Arbeiten kein Grund zur Sorge, im Gegenteil: Man hat die Möglichkeit, das Erlernte unter Beweis zu stellen und an Themen zu arbeiten, die das persönliche Interesse treffen. Darüber hinaus kann man mit einer guten Arbeit einen Beitrag zur Scientific Community leisten und wird auf dem Weg dorthin durch die intensive Begleitung der Betreuer*innen nicht alleine gelassen. Also, go for it!

 

Unsere Checkliste, um Plagiate zu vermeiden: