Vom ersten Schritt an die FH CAMPUS 02 bis zur FH-Professur: Dieser Beitrag erzählt von fünf Jahren berufsbegleitendem Studium, echten Praxiseinblicken und dem permanenten Spagat zwischen Job, Lernen und Leben. Es geht um Klartext statt Schönreden, um Weiterentwicklung, Verantwortung und darum, warum Lernen keine Einbahnstraße ist. Der persönliche Weg von FH-Prof. René Peter Thaller, MA zeigt, wie aus Studierenden Lehrende werden – und was dabei wirklich zählt.
Als ich im Jänner 2012 erstmals die FH CAMPUS 02 betrat, war es nicht nur die Architektur, die Eindruck machte. Es war dieses Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem Praxis nicht nur ein Schlagwort ist. Menschen, die wissen, wovon sie sprechen.
Ehrliche Hinweise auf die Herausforderungen eines berufsbegleitenden Studiums. Kein Schönreden, sondern Klartext. Genau das hat mich gereizt. Lust auf Wissen. Lust auf Weiterentwicklung. Lust auf diese Fachhochschule.
Am 4. Juli 2017 legte ich meine Masterabschlussprüfung ab – und mit ihr endeten insgesamt fünf Jahre berufsbegleitendes Studium: zuerst drei Jahre Bachelor-, danach zwei Jahre Masterstudium. Rückblickend war diese Zeit ein permanenter Spagat zwischen Job, Studium und Privatleben. Studieren bedeutete, Kalender kreativ zu interpretieren, Abende und Wochenenden umzuwidmen und gelegentlich festzustellen, dass auch die eigene Belastbarkeit keine unendliche Ressource ist. Genau diese Erfahrung prägt mich bis heute. Sie lässt mich die Situation von Studierenden, die neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen studieren, sehr gut nachvollziehen – mit all ihren Herausforderungen, aber auch mit ihrem enormen Engagement.

Was mich im Studium besonders begeistert hat, waren die Einblicke von Praktikerinnen und Praktikern. Menschen, die nicht nur aus Lehrbüchern erzählten, sondern aus Projekten, aus Entscheidungen, aus Erfolgen und Fehlern. Irgendwann entstand der Gedanke, selbst etwas weiterzugeben. Nicht als Karriereplan, sondern als innere Konsequenz: Erfahrungen teilen, Zusammenhänge erklären, das große Ganze im Blick behalten und den Dialog immer an die jeweilige Zielgruppe anpassen.
Heute arbeite ich vor allem dort mit Studierenden, wo Theorie auf Realität trifft: in Praxisprojekten. Gemeinsam mit Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Organisationen werden reale Fragestellungen bearbeitet, Entscheidungen vorbereitet und Lösungen entwickelt.
Dabei entstehen intensive Arbeitsprozesse, Diskussionen auf Augenhöhe – und oft auch neue Perspektiven für alle Beteiligten. Man darf nicht glauben, als Professor alles zu wissen. Gerade in diesen Projekten lerne ich fachlich und persönlich sehr viel von den Studierenden.
Am 4. Juli 2024 – exakt sieben Jahre nach meiner Masterabschlussprüfung – wurde mir die FH-Professur verliehen. Diese zeitliche Klammer ist eine schöne Randnotiz. Entscheidender ist für mich der Weg dazwischen. Vom berufsbegleitenden Studierenden zum Lehrenden, von der Arbeit in professionellen Teams und Projekten in der Wirtschaft hin zu Lern- und Projektsettings an der Hochschule, in denen Verantwortung, Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen ebenso zentral sind. Der Kontext hat sich verändert – die Haltung dahinter ist geblieben.
Für mich steht die FH CAMPUS 02 genau dafür: für Praxisnähe, für Entwicklung – und für die Überzeugung, dass Lernen keine Einbahnstraße ist.
© Fotocredit Oliver Wolf (Header), Marija Kanizaj