HTL Schüler und Schülerinnen beim FUTURE CONVENT

Einkaufswagen neu denken: TRIZ-Workshop beim Future Convent in Kobenz

Schon mal versucht, einen Einkaufswagen zu innovieren? Klingt banal – war aber beim Future Convent in Kobenz genau der richtige Aufhänger, um etwas Zentrales zu zeigen: Gute Ideen entstehen nicht nur durch Zufall oder „kreative Stimmung“, sondern lassen sich systematisch entwickeln. 

Gemeinsam mit HTL-Schüler*innen haben Börge Kummert, Sandra Pilch, Julius Ertle und Florian Peter Leitner aus dem Department Innovationsmanagement einen Kreativitätsworkshop durchgeführt – mit einer Methode, die in wenigen Minuten erstaunlich konkrete Ergebnisse liefert: TRIZ. 

 

Börge Kummert und Sandra Pilch beim Future Convent
Börge Kummert und Sandra Pilch beim Future Convent

 

TRIZ: Kreativität mit System 

TRIZ steht für eine systematische Innovationsmethode, die aus der Analyse tausender erfolgreicher Lösungen entstanden ist. Der Kern: Probleme werden nicht „frei erfunden“ gelöst, sondern strukturiert über Widersprüche gedacht. 

Denn in der Praxis scheitern viele Ansätze genau daran: 

  • schneller UND günstiger 
  • robuster UND leichter 
  • mehr Funktion UND weniger Aufwand 

TRIZ hilft Teams dabei, solche Widersprüche gezielt zu bearbeiten und daraus Lösungsprinzipien abzuleiten – statt in endlosen Brainstormings stecken zu bleiben.

Woher TRIZ kommt – und warum das so besonders ist 

TRIZ wurde ursprünglich in der Sowjetunion entwickelt, vor allem durch den Ingenieur und Forscher Genrich Altshuller. Er hat gemeinsam mit Kolleg*innen über viele Jahre hinweg eine große Anzahl an Patenten und technischen Problemlösungen analysiert – mit einer einfachen, aber starken Frage: Gibt es Muster dafür, wie Innovation wirklich entsteht? 

Das Besondere an TRIZ ist genau dieser Ursprung: Die Methode basiert nicht auf Meinungen oder Bauchgefühl, sondern auf der systematischen Auswertung realer, erfolgreicher Lösungen. Aus dieser Analyse wurden wiederkehrende Prinzipien und Denkwerkzeuge abgeleitet, die sich branchenübergreifend anwenden lassen. TRIZ ist damit so etwas wie „destilliertes Innovationswissen“: Es macht sichtbar, welche Lösungswege sich in der Praxis immer wieder bewährt haben – und ermöglicht, diese Muster gezielt auf neue Herausforderungen zu übertragen. Das spart Zeit, erhöht die Qualität der Ideen und hilft Teams, schneller von der Problemdefinition zu umsetzbaren Lösungsansätzen zu kommen. 

 

So funktioniert TRIZ konkret 

TRIZ funktioniert, indem ein Problem aus der Praxis in seine „Widersprüche“ zerlegt wird: Was soll besser werden – und was wird dadurch typischerweise schlechter? Genau diese Zielkonflikte werden dann systematisch bearbeitet, statt sie zu umgehen. In einem nächsten Schritt übersetzt man den Widerspruch in allgemeinere TRIZ-Parameter (z. B. Gewicht, Stabilität, Geschwindigkeit, Energieaufwand, Bedienbarkeit) und nutzt passende TRIZ-Werkzeuge, um Lösungsrichtungen abzuleiten. Dazu zählen unter anderem typische Innovationsprinzipien (bewährte Muster, die in vielen Branchen funktionieren), der Blick auf vorhandene Ressourcen im System (was ist schon da und kann anders genutzt werden?) sowie das Denken in idealen Endzuständen (Wie würde die perfekte Lösung aussehen – mit minimalem Aufwand?). So entsteht ein strukturierter Ideengenerator: nicht „Was fällt uns ein?“, sondern „Welche Lösungswege haben sich bei ähnlichen Widersprüchen bereits bewährt – und wie übertragen wir sie auf unseren konkreten Fall?“ 

 

Der Praxiscase: Ein Einkaufswagen

Der Einkaufswagen ist ein Alltagsprodukt, das man „eh kennt“. Genau deshalb eignet er sich perfekt: Ohne Vorwissen können alle sofort mitdenken – und trotzdem tauchen rasch echte Innovationsfragen auf. 

Innerhalb kurzer Zeit ging es nicht mehr um kleine Verbesserungen, sondern um handfeste Ansatzpunkte wie: 

  • Ergonomie: Wie wird Schieben, Lenken, Greifen einfacher – für unterschiedliche Körpergrößen? 
  • Sicherheit: Wie lassen sich Kippgefahr, Quetschstellen oder unsichere Kinderbereiche reduzieren? 
  • Platzbedarf: Wie kann der Wagen weniger Raum brauchen – beim Lagern, Schieben, Stapeln? 
  • Wartung und Reinigung: Wie wird das System langlebiger und leichter instand zu halten? 
  • Materialeinsatz: Wie kann man Material sparen, ohne Stabilität zu verlieren? 
  • Nutzerführung: Wie wird die Nutzung intuitiver – ohne zusätzliche Erklärungen? 

TRIZ sorgt dabei für den Perspektivenwechsel: Nicht „Was fällt uns noch ein?“, sondern „Welcher Zielkonflikt steckt dahinter – und welche Lösungswege sind dafür typisch?“ 

 

Warum das für Unternehmen relevant ist 

Der Workshop war nicht nur ein Schulbeispiel – er zeigt etwas, das für Unternehmen entscheidend ist: 

Innovationskompetenz ist trainierbar.
Und Methoden wie TRIZ machen Innovation wiederholbar – statt sie vom Zufall abhängig zu machen. 

Gerade in Produktentwicklung, Prozessinnovation oder strukturiertem Problemlösen kann TRIZ dabei helfen, 

  • schneller zu tragfähigen Ideen zu kommen, 
  • Diskussionen zu objektivieren, 
  • und Lösungen ableitbar zu machen, die man wirklich testen und umsetzen kann. 

 

Lust auf TRIZ live? 

Wer TRIZ als Werkzeug in der Praxis erleben möchte – ob für Produkte, Prozesse oder knifflige Herausforderungen im Alltag – wir freuen uns über den Austausch.