Diese Frage habe ich vor meiner Abreise nach Almaty unzählige Male gehört.
Warum Kasachstan? Einfache Antwort: weil ich prinzipiell immer dorthin will, wo ich noch nie war.
Ich hatte das große Glück, beruflich und privat viele Teile der Welt kennenzulernen – mit Familie in Südostasien und Südamerika, mit beruflichen Stationen quer durch Europa. Aber genau deshalb reizt mich das Unbekannte umso mehr. Ich bin Marketer.
Neugier liegt in meiner DNA. Neue Kulturen zu entdecken, bedeutet für mich immer auch: Konsumverhalten zu beobachten und zu verstehen. Marken im Kontext sehen. Ich kann Stunden in Supermärkten verbringen – keine Übertreibung. Beobachten, was Menschen kaufen, wie sie einkaufen, welche Produkte sie wählen und was überhaupt angeboten wird.
Meine zweite große Leidenschaft ist das Unterrichten.
Die Einladung zur Gastprofessur an die De Montfort University in Almaty war daher mehr als nur Lehren in einem anderen Land. Es war viel mehr ein Dialog. Mit Studierenden aus einer völlig anderen Region über Branding, Consumer Behavior und Markenidentität zu diskutieren, erweitert den Horizont. Für beide Seiten.
Sehr oft wurde ich gefragt: „Wie ticken die Menschen in Europa?“
Europa wird dort als Einheit wahrgenommen. Vielleicht sollten wir „Europeans“ uns selbst manchmal auch wieder stärker so fühlen. Nur ein Gedanke am Rande. Was mich besonders beeindruckt hat: die Offenheit. Die Neugier. Das echte Interesse an anderen Perspektiven. Jede einzelne Lehreinheit war geprägt von Diskussion, Reflexion und echtem Austausch. Ich habe es genossen. Danke liebe Studis!
Und Kasachstan selbst?
Es hat mich überrascht. Modern. Digital. Dynamisch. Und unglaublich gastfreundlich. Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Welt mit nur rund 20 Millionen Einwohnerinnen. Alles ist weit. Groß. Offen. Man spürt Aufbruchsstimmung. Es wird gebaut, entwickelt, investiert. Almaty ist eine junge Stadt. Eine Studierendenstadt. Cafés gibt es ganz viele, alle gut gefüllt, die Gastronomieszene ist lebendig, man trifft sich, diskutiert, lacht. Ein vibrierendes soziales Leben.
Was mich als Marketer besonders fasziniert hat: die Digitalisierung. Kasachstan gilt als Land der Super-Apps. Mit Plattformen wie Kaspi oder Yandex organisiert man nahezu sein gesamtes Leben: Taxi bestellen, E-Scooter nutzen, Essen liefern lassen, Rechnungen zahlen, Geld per QR-Code überweisen. Bargeld? Kaum sichtbar. Digitale Selbstverständlichkeit im Alltag.
Und dann die Gastfreundschaft. Ich wurde zum Essen eingeladen, als wäre ich Teil der Familie. Gemeinsames Essen ist hier mehr als Nahrungsaufnahme – es ist Beziehungspflege, Respekt und Verbundenheit.
Und – unglaublich imposant – die unberührte Natur.
Kasach*innen sind Outdoor-Freaks. Ganz klar, bei dieser Natur. Die Landschaft ist spektakulär: Berge, Seen, Dünen, Canyons und Schluchten.
Was nehme ich mit?
Dass Neugier immer belohnt wird.
Dass wir „Ja“ sagen sollten, selbst wenn ein Ort zunächst weit weg oder ungewohnt klingt.
Dass Lehre am schönsten ist, wenn sie ein echter Dialog ist.
Würde ich es wieder tun? Sofort.
Raqmet, Qazaqstan!