Durch YouTube-Videos, Reddit-Foren und Trading-Apps ist privates Investieren zu einem Teil der digitalen Alltagskultur geworden. Aktien, ETFs und Kryptowährungen sind längst nicht mehr nur Themen für Finanzseiten, sondern für Feeds, Memes und Kurzvideos. „Finfluencer“ erreichen online viele Menschen, Trading-Apps machen den Handel mit Wertpapieren sehr einfach. Einmal registriert und verifiziert reichen wenige Klicks am Smartphone, um ein Finanzprodukt zu kaufen. Das führt dazu, dass Anlegerinnen und Anleger immer jünger und risikofreudiger werden. Deswegen einige grundlegende Punkte, die man beachten sollte, wenn man investiert:
- „There is no such thing as free lunch”, soll heißen, es ist nicht möglich ohne Aufwand und ohne Risiko reich zu werden. Das ist zu bedenken, wenn in YouTube-Videos der schnelle Reichtum versprochen wird, sobald man nur einer WhatsApp-Gruppe beitritt.
- Man sollte nur in Produkte investieren, die man auch versteht, und sich nicht von Hypes oder FOMO leiten lassen. Gier ist ein schlechter Ratgeber.
- Verluste sind insbesondere kurzfristig immer möglich. Deswegen sollte man nur Geld investieren, das man nicht unmittelbar braucht.
Doch nicht nur die eigenen Risikoabwägungen sind relevant, es ist auch wichtig, einen vertrauenswürdigen Anbieter zu wählen. Die Finanzmärkte in der EU sind durch gemeinsame Richtlinien reguliert, allen voran MiFID II, die europaweite Standards für den Anlegerschutz vorschreibt. In Österreich übernimmt die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Umsetzung und Überwachung dieser Vorgaben. Da es sich jedoch um Richtlinien handelt, müssen diese erst in nationales Recht umgesetzt werden. Wie konsequent das geschieht, variiert von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat. Ein Anbieter mit EU-Regulierung kann daher grundsätzlich als seriös gelten, doch nicht jede nationale Aufsichtsbehörde ist gleich streng. Es lohnt sich also, nicht nur zu prüfen, ob ein Anbieter reguliert ist, sondern auch, wo er reguliert ist. Mit in Österreich registrierten Anbietern ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
Neben diesen Fragen zur Risikoabwägung ergeben sich durch den Aufstieg der Neo-Broker noch weitere, die es zu berücksichtigen gilt: Kapitalerträge (Ausschüttungen und Zugewinne) müssen versteuert werden. Die Kapitalertragssteuer (KESt) beträgt in Österreich für die meisten Finanzinstrumente 27,5 %. Besteuert werden die Erträge erst, wenn sie realisiert werden, das heißt, wenn man das Finanzprodukt verkauft und die Erträge zufließen. Bei Anbietern mit Sitz in Österreich erfolgt die Abfuhr der Steuern automatisch, das heißt, man muss sich nicht selbst darum kümmern. Solche Broker nennt man steuereinfach. Bei Anbietern im Ausland ist das nicht so, in diesem Fall muss man seine Kapitalerträge selbst in der Einkommenssteuererklärung angeben, was den persönlichen Verwaltungsaufwand erhöht.
Ein Punkt, der bei der Besteuerung von Kapitalerträgen sehr wichtig ist, ist der Verlustausgleich. Wenn man in einem Jahr sowohl Gewinne als auch Verluste aus Kapitalanlagen erzielt, kann man diese miteinander verrechnen und muss so weniger Steuern bezahlen. Wenn man beispielsweise beim Verkauf einer Aktie Gewinne in Höhe von 1000€ erzielt und beim Verkauf einer anderen Aktie Verluste in Höhe von 400€, dann muss Kapitalertragssteuer nur für die verbleibenden 600€ entrichtet werden. Allerdings gibt es hierbei gewisse Einschränkungen: Miteinander verrechnet werden können nur Erträge und Verluste, die demselben Steuersatz unterliegen. In der Praxis betrifft das vor allem Kryptowährungen, die vor 2022 gekauft wurden, da diese bis dahin einem anderen Satz unterlagen. Außerdem ist es nicht möglich, Verluste aus Wertpapiergeschäften mit Sparzinsen zu verrechnen. Darüber hinaus ist es auch nicht möglich die Verluste aus Investments mit anderen Einkunftsarten (zum Beispiel Arbeitseinkommen) zu verrechnen. Da der Verlustausgleich nur innerhalb eines Jahres möglich ist, ergibt es durchaus Sinn, mit der Realisation von Verlusten auf ein Jahr zu warten, in dem man auch Gewinne realisiert, um so die eigene Steuerlast zu reduzieren (§27 Abs. 8 EstG).
Die größte Gefahr beim Investieren ist nicht der Markt, sondern mangelndes Wissen. Wer die Grundregeln kennt, kann Risiken bewusst eingehen, statt ihnen unwissentlich ausgesetzt zu sein. Und das ist letztlich der Unterschied zwischen Spekulieren und Investieren.