Florian Hasibar hat im Jahr 2019 das Vollzeit-Bachelorstudium Rechnungswesen und Controlling an der FH CAMPUS 02 absolviert. Vier Jahre nach seinem Abschluss gründete der Jungunternehmer eine KI-Lernplattform für den DACH-Raum, welche den Einsatz von KI-Tools im Arbeitsalltag erleichtert. Nun herhielt Florian Hasibar vom Forbes Magazin die Auszeichnung zu den den 30-under-30 in Österreich. Wir haben den CEO von mytalents.ai interviewt und ihn zu seiner Herkunft, seiner Karriere und den größten Herausforderungen im Unternehmertum befragt.
„Als Sie Ihr Studium abgeschlossen haben — hatten Sie damals eine klare Vorstellung davon, wohin Ihr Weg führen soll? Wie stark unterscheidet sich das heutige Bild (mit mytalents.ai und 30-under-30-Auszeichnung) von Ihren damaligen Plänen?“
Nicht wirklich. Als ich mit dem Studium begonnen und es abgeschlossen habe, war mein größtes Ziel, Finanzcontroller zu werden. Dieses Ziel habe ich dann etwa 3 bis 4 Jahre nach dem Abschluss erreicht. Irgendwie bin ich dann in die Startup-Szene gerutscht und konnte nicht mehr raus, sozusagen. Im Nachgang wäre ich gerne noch früher unternehmerisch tätig geworden. Aber die Zeit im Studium, das Durchhaltevermögen und das Wissen im Finanzbereich waren trotzdem so wichtig, dass der Weg insgesamt genau richtig war, wie er ist.
„Sie sind aus dem Südburgenland, und waren als erster in Ihrer Familie mit Matura und Studium — inwiefern hat Ihre Herkunft Ihren Antrieb und Ihre Perspektiven geprägt?“
Ich war es gewohnt, immer wieder zu hören: „Das schaffst du nicht“, „Du wirst die Matura nicht schaffen“, „Mit deinem Englisch kannst du nur in Österreich bleiben“ oder „Such dir einen sicheren Job“. Für mich war aber immer klar: Ich werde und muss es allen zeigen. Auch in der Familie gab es gemischte Unterstützung. Im Nachgang bin ich dafür aber sehr dankbar. Ohne meinen Hintergrund würde ich nicht dort stehen, wo ich heute bin.
„Gab es einen konkreten Moment oder eine Entscheidung, ab dem Sie wussten: ‚Jetzt gründe ich mein eigenes Unternehmen‘ — und was hat diesen Schritt ausgelöst?“
Ja, das war der ChatGPT-Moment. Als am 30.11.2022 ChatGPT rausgekommen ist, dachte ich mir: Okay, wow, das ändert jetzt alles. Ich konnte auf einmal viel mehr als zuvor und habe mich mithilfe von KI gefühlt verfünffacht in meinem Output. Dann dachte ich: Jetzt ist es Zeit, etwas zu gründen, nur die Idee hat zu Beginn gefehlt. Die kam dann schnell, weil mich viele Leute nach persönlichen KI-Schulungen gefragt haben.
„Sie haben früher in der Finanzbranche gearbeitet, u.a. bei Blockpit GmbH — wie war der Übergang vom klassischen Job zum Unternehmer? Was waren die größten Herausforderungen und Überraschungen?“
Ein bekannter Risikokapitalgeber, Ben Horowitz, sagte mal: „Unternehmen gründen ist wie jeden Tag Glas essen“ und so ist es auch. Es ist ein Karussell an Gefühlen und Erlebnissen, nur dass es gefühlt einmal hoch und zehnmal runtergeht. Unternehmer zu sein bedeutet, immer dranzubleiben und hartnäckig zu sein. Die größte Überraschung bzw. Freude ist es, wenn Mitarbeitende sagen, dass es der beste Job ist, in dem sie jemals gearbeitet haben.
„Mit mytalents.ai wollen Sie laut Forbes die größte KI-Lernplattform im DACH-Raum aufbauen — wie sah Ihre Vision am Anfang aus und wie hat sie sich verändert, seit das Unternehmen wächst?“
Die Vision war zu Beginn, Mitarbeitende im Arbeitsalltag zufriedener und glücklicher zu machen, indem sie KI nutzen und produktiver werden. Ich denke, die Vision haben wir noch immer, also hat sich daran in der Gesamtstrategie nichts geändert.
„Sie haben gesagt, der Start mit KI-Tools wie ChatGPT war für Sie ein ‚Gamechanger‘. Haben sich Ihre Erwartungen bestätigt — oder gab es Aspekte, die Sie so nicht vorhergesehen hatten?“
Grundsätzlich empfinde ich KI als die Technologie unserer Zeit. Die Adaption ist zwar rasant, aber in Großunternehmen noch nicht überall so angekommen. Ich hätte gedacht, dass Mitarbeitende die Technologie noch schneller im Alltag einsetzen.
„Innerhalb von 16 Monaten von null auf 50 Großkunden — wie haben Sie und Ihr Team diesen raschen Wachstumskurs gemeistert? Worauf mussten Sie am meisten achten?“
Im Nachgang muss ich sagen, dass wir sehr schnell gewachsen sind und hier und da auch nicht dafür gerüstet waren. Grundsätzlich würde ich jedem empfehlen, stark auf die Kunden einzugehen und den Erfolg beim Kunden abzusichern – gerade, wenn man schnell wächst. Außerdem haben wir früh ein zweites Produkt gebaut, das nicht so funktioniert hat wie gewünscht. Ein weiser Ratschlag in Startups ist immer: Fokus, Fokus, Fokus – nicht zu viel gleichzeitig.
„Gab es Krisen, Fehler oder Rückschläge auf dem Weg — und was haben Sie aus diesen gelernt? Gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden?“
Genug Rückschläge – als Unternehmer gibt es fast täglich Rückschläge. Dennoch kann ich mir aktuell nichts Besseres vorstellen, als die eigenen Ideen und Vorstellungen voranzutreiben. Ich bin während der Startzeit von mytalents.ai auch zum ersten Mal Vater geworden und dachte mir: „Wow, alles ist so stressig, ich nehme mir zwei Tage und dann arbeite ich wieder.“ Dann hat meine Partnerin aber sehr klare Worte mit mir gesprochen und ich war die ersten zehn Tage fast komplett offline. Im Nachgang würde ich mir sogar noch mehr Zeit nehmen. Grundsätzlich ist es sehr wichtig, die ganze Familie als Unternehmer mit an Bord zu haben – denn wer im Privatleben bzw. in der Familie glücklich ist, kann auch im Unternehmen sein Bestes geben.
„Wo sehen Sie mytalents.ai in fünf Jahren — und wie sehen Ihre eigenen beruflichen Visionen aus? Haben Sie neue, große Ziele im Blick?“
Für mich startet 2026 ein neues Abenteuer neben mytalents.ai. Es wird wieder gegründet und es bleibt im Software- und KI-Bereich, aber es geht wieder zurück in den Finanzbereich bzw. ins Controlling. Sozusagen eine Mischung aus meinen letzten zehn Jahren.
„Was würden Sie heute Studierenden wie Ihrem früheren Ich raten — insbesondere, wenn man überlegt, selbst ein Unternehmen zu gründen?“
Ihr könnt alles erreichen – auch ohne Netzwerk und ohne Unternehmerfamilie. Am Ende zählt der “Hustle”: dranbleiben und hart arbeiten.
Wir gratulieren Florian Hasibar zu seinem Erfolg und dem Platz in der Liste der Forbes 30-under-30!
Hier gelangt ihr zum Forbes Artikel über Florian Hasibar.