Von der Begeisterung für Werbung zur Expertin für KI, HR und Transformation: Monika Fuchs zeigt, wie ein praxisnahes Studium im Bereich Marketing & Sales den Grundstein für eine vielseitige Karriere legt. Im aktuellen Interview unserer Reihe „Absolvent*in des Monats, Ausgabe Mai 2026“ spricht sie über prägende Erfahrungen aus ihrer Studienzeit, strategisches Denken und die Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt.

What motivated you to choose the Marketing & Sales programme at Campus 02 University of Applied Sciences?
Mich hat die Kombination aus Praxisnähe, wirtschaftlichem Denken und strategischem Marketing besonders angesprochen. Ich wollte ein Studium, das nicht nur Theorie vermittelt, sondern mich direkt auf reale Herausforderungen vorbereitet.
Außerdem hatte ich schon als Kind eine besondere Leidenschaft für Werbung – ich konnte sämtliche Werbespots auswendig mitsingen und war überzeugt, später einmal in diesem Bereich zu arbeiten.
Can you share a special memory or highlight from your time studying?
Ein echtes Highlight war die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen im Rahmen von Projektarbeiten. Diese direkten Praxisbezüge haben mir gezeigt, wie relevant strategisches Denken im Alltag ist.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir meine Diplomarbeit, die ich gemeinsam mit einem renommierten Automobilkonzern zum Thema „Personalwerbung“ schreiben durfte. Das war sehr fordernd, aber gleichzeitig extrem motivierend und am Ende auch ein großer Erfolg.
Which skills or knowledge that you gained during your studies have helped you the most in your career?
Vor allem strategisches Denken, Marktverständnis und die Fähigkeit, komplexe Themen klar zu strukturieren. Das ist heute in meiner Arbeit im Bereich KI und HR essenziell.
Darüber hinaus habe ich im Studium gelernt, wie wichtig Positionierung ist. Ich habe mein eigenes Branding entwickelt und eine Personal Brand aufgebaut, die international eingetragen ist. Dieses Verständnis für klare Positionierung begleitet mich bis heute.
What did your career path look like after graduation? What stations did you go through?
Direkt nach dem Studium bin ich als Regionalverkaufsleiterin im Lebensmitteleinzelhandel eingestiegen. Dort habe ich erste echte Führungserfahrungen gesammelt und die Grundlagen des HR-Managements praktisch kennengelernt.
Danach folgten internationale HR- und Managementrollen – unter anderem in der Softwarebranche, der keramischen Industrie sowie später als Head of Group HR und erweiterte Vorständin in einem Versicherungskonzern.
Parallel habe ich mein eigenes Unternehmen aufgebaut und begleite heute Organisationen bei der Transformation durch KI.
Du hast dein eigenes Unternehmen @Die Füchsin gegründet. Was sind aus deiner Beratungspraxis typische „blinde Flecken“, wenn Unternehmen KI im HR oder anderen Bereichen einführen wollen?
Viele Unternehmen starten bei Tools statt bei Strategie. Dabei wird oft übersehen, dass KI kein reines Tool, sondern ein grundlegender Paradigmenwechsel ist. Der richtige Ansatz beginnt mit Strategie, gefolgt von Know-how-Aufbau, Experimentieren, Datenbereinigung, Prozessanpassung und der Entwicklung neuer Kompetenzen. Nur so kann KI nachhaltig wirken und echte Integration stattfinden.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Befähigung der Mitarbeitenden: Einstiegshürden sollten so gering wie möglich sein. KI braucht Wissen, Skills, Vertrauen in die Führung und vor allem Zeit. Viele Organisationen fokussieren sich jedoch zu stark auf kurzfristige Kosteneinsparungen und unterschätzen den notwendigen Change-Prozess.
Wie verändert sich Leadership durch Themen wie „Human-AI Collaboration“ und „Agentic AI“ konkret im Alltag von Führungskräften?
Führung entwickelt sich zunehmend zu einer Orchestrationsaufgabe: Menschen, Daten und KI-Systeme müssen sinnvoll miteinander verzahnt werden. Entscheidungen werden datenbasierter – aber auch verantwortungsvoller.
Klassische Führungsmodelle stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen. Führung wird gerade neu definiert. Zukünftig braucht es Menschen, die andere Menschen entwickeln wollen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, sich selbst kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Du hast langjährige internationale Erfahrung in unterschiedlichen Branchen und in der Zusammenarbeit mit Menschen aus Ländern wie Japan, China, Korea, Nordamerika: Welche Unterschiede siehst du im Umgang mit Technologie, Führung und HR zwischen Amerika, Europa und Asien?
Aus meiner Erfahrung zeigen sich hier deutliche kulturelle Unterschiede im Zugang zu Technologie und Führung.
In Nordamerika habe ich häufig eine hohe Geschwindigkeit, ausgeprägte Innovationsorientierung und eine große Bereitschaft zum Experimentieren erlebt. Der Zugang ist sehr pragmatisch: testen, skalieren, verbessern.
In Asien – insbesondere in Japan – stehen Disziplin, Prozessqualität sowie Respekt vor Hierarchien und kollektiver Verantwortung stärker im Vordergrund. Technologie wird konsequent in bestehende Strukturen integriert, wobei Abstimmung, Qualität und langfristige Verlässlichkeit eine zentrale Rolle spielen.
Europa hingegen ist stärker durch Regulierung, Mitbestimmung und ethische Fragestellungen geprägt. Das führt oft zu langsameren Prozessen, kann aber gleichzeitig eine große Stärke darstellen – insbesondere im Umgang mit KI im HR-Bereich. Ein menschenzentrierter, rechtlich sauberer und verantwortungsvoller Ansatz wird hier zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Die Herausforderung besteht darin, diese Sorgfalt mit mehr Umsetzungsgeschwindigkeit zu verbinden.
Du bist selbst als Lektorin an mehreren Hochschulen tätig und vermittelst dort dein Wissen und deine Expertise. Gibt es bestimmte Trends oder Entwicklungen im Bereich Marketing & Sales, die Studierende im Auge behalten sollten?
Marketing und Sales verändern sich durch KI derzeit grundlegend. Themen wie datengetriebenes Marketing, Automatisierung, Personalisierung, Customer und Employee Experience sowie der Einsatz generativer KI sind zentral.
Gleichzeitig gewinnen Markenaufbau und Vertrauen weiter an Bedeutung. Inhalte lassen sich heute schnell produzieren – dadurch steigt jedoch auch das Risiko von Beliebigkeit.
Wer langfristig erfolgreich sein möchte, braucht neben Tool-Kompetenz vor allem strategisches Verständnis: Welche Zielgruppe spreche ich an? Welches Problem löse ich? Was macht eine Marke glaubwürdig? Und wie kann KI sinnvoll eingesetzt werden, ohne dass Kommunikation austauschbar wirkt?
How important do you think further education and lifelong learning are in this field?
Lebenslanges Lernen ist heute keine Option mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Gerade in Marketing, Sales, HR und Führung verändern sich Technologien und Märkte extrem schnell. Was heute Spezialwissen ist, kann morgen schon Standard sein.
Weiterbildung bedeutet dabei nicht nur Tool-Kompetenz, sondern auch die Fähigkeit, kritisch zu denken, Zusammenhänge zu verstehen und neugierig zu bleiben. Diese Lernfähigkeit wird künftig zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Wenn du Studierenden heute einen Rat geben müsstest: Wie sollten sie sich auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der KI ein selbstverständlicher Teil von Arbeit ist?
Wartet nicht ab – beschäftigt euch aktiv mit KI. Probiert Dinge aus, versteht die Grundlagen und entwickelt ein Gefühl dafür, wo und wie KI euch unterstützen kann.
Gleichzeitig solltet ihr eure menschlichen Fähigkeiten bewusst stärken. Kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einzuordnen, werden noch wichtiger werden.
Auf ein paar Worte mit Monika:
I still have from my time at university...
- Mein erstes Marketing-Skriptum von Herrn Prof. Dr. Jungwirth – die Vorlesung hat mich richtig angezündet. Ich wusste, hier bin ich richtig.
Who has inspired you?
- Es gibt viele Menschen in der Wirtschaft, die mich inspiriert haben, vor allem waren es immer jene, die es geschafft haben ihren eigenen Weg zu gehen, etwas Außergewöhnliches aufgebaut haben und dennoch die Menschen und ihre Umgebung im Blick behalten haben.
If I were to study again, I would...
- … noch früher internationale Erfahrungen sammeln und mich noch stärker mit Technologie, Daten und digitalen Geschäftsmodellen beschäftigen.
My studies in 4 words:
- Praxisnah. Strategisch. Prägend. Kommunikativ.