Du hältst einen Reisepass in der Hand. Auf den ersten Blick wirkt alles echt. Doch was, wenn kleinste Details manipuliert wurden – unsichtbar für das bloße Auge? Genau hier setzt SWEETIDS an: ein innovatives System, das Reisedokumente auf ihre sicherheitsrelevanten „Sweet Spots“ prüft: schnell, präzise und kosteneffizient.
Am 1. September 2023 fiel der Startschuss für das Projekt am Department Automatisierungstechnik der FH CAMPUS 02 unter der Leitung von FH-Prof. DI Dieter Lutzmayr. Die Vision: eine neue Generation von Prüfgeräten zu entwickeln, die einfach zu bedienen ist und gleichzeitig höchste Sicherheit bietet. Nach zwölf Monaten intensiver Entwicklungsarbeit entstand ein funktionierender Prototyp – bereit, die Dokumentenprüfung neu zu denken.

Ein System, viele Möglichkeiten
Im Projekt SWEETIDS, ein Akronym für „Sweet spot ID documentation system“ (System für die Dokumentation von relevanten Bereichen auf Identitätsdokumenten) wurde ein funktionierender Prototyp eines neuartigen kosteneffizienten, zuverlässigen und einfach zu bedienenden Geräts für die Dokumentenprüfung von Reisedokumenten entwickelt.
Mit Hilfe von vielfachen Lichtquellen kann automatisiert eine Serie von Bildern von fälschungsrelevanten Sicherheitsmerkmalen (‘Sweet Spots’) auf Reisepässen und ID-Karten erstellt werden.
Eine hochauflösende Kameraoptik dient dabei zum Erfassen der definierten Bereiche auf den Dokumenten, um die häufigsten Manipulationen sichtbar zu machen, insbesondere: Austausch von Fotos, Überdrucke über das Gesicht, Veränderungen der maschinenlesbaren Zone (Machine Readable Zone, MRZ), falsche Drucktechniken, falsche optisch-variable Druckfarben (Optical Variable Inks, OVIs), gefälschte oder beschädigte diffraktive optisch-variable Bildelemente (Diffractive Optically Variable Image Devices, DOVIDs) über Fotos, Veränderungen der Ziffern der Altersangabe, fehlende Anti-Stokes Fluoreszenzpartikel.
Exakte Koordination der relevanten Punkte sowie die Metadaten der Bildaufnahme bzw. Verifikation, wie beispielsweise die verwendete Lichtquelle, werden im System für eine weiterführende Analyse und zum Befüllen der Datenbanken gespeichert.

Technik, die überzeugt
Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten, die entweder handlich, aber unpräzise oder stationär und teuer sind, kombiniert SWEETIDS die Vorteile beider Welten. Durch den Einsatz von Mechatronik entstehen ein beweglicher optischer Kopf, ein neuartiger Dokumentenhalter und eine einfache Bedienbarkeit, sodass Grenzschutzbehörden schnell und effizient arbeiten können.
„Mit SWEETIDS können Sicherheitskontrollen schneller, zuverlässiger und kostengünstiger durchgeführt werden – und das auf einem Niveau, das bisher nur teure Spezialgeräte erreicht haben“, so Lutzmayr.
Der Weg nach vorne
SWEETIDS ist nicht einfach nur ein weiteres Projekt – es markiert einen Paradigmenwechsel in der Überprüfung von Reisedokumenten. Das Projekt definiert die Grundlagen der Dokumentenauthentifizierung neu und leistet einen entscheidenden Beitrag zu mehr Sicherheit im internationalen Reiseverkehr.
Wer wissen möchte, wie moderne Dokumentenauthentifizierung aussieht und welche Technologie hinter den „Sweet Spots“ steckt, findet weitere Informationen auf der Frontex-Website.
© Fotocredits FRONTEX | European border and coast guard agency