Podiumsdiskussion mit Expert*innen aus Wirtschaft und Genossenschaftspraxis bei der BEST OF PROJECTS 2025.

BEST OF PROJECTS 2025 – eGen: Gemeinsam. Genial. Genossenschaft. Neue Perspektiven für kooperatives Wirtschaften

Die Veranstaltung Best of Projects 2025 am 26.11.2025 an der FH CAMPUS 02 stand ganz im Zeichen des Internationalen Jahres der Genossenschaften. Bereits am Nachmittag konnten die 245 Besucher*innen die vielfältigen Projektstände der Studierenden entdecken und Einblicke in innovative Ideen rund um kooperatives Wirtschaften gewinnen. Das Gewinnspiel und viele persönliche Gespräche sorgten für lebhafte Stimmung in der Aula.

Um 18:00 Uhr startete das offizielle Programm. Nach den Begrüßungsworten durch die Rektorin der FH CAMPUS 02, Mag. Kristina Edlinger-Ploder, folgte der Impulsvortrag von Mag. Peter Weissl zum Thema „Genossenschaft kann mehr. Weltweit.“. Sein Rückblick auf 25 Jahre Genossenschaftsentwicklung zeigte die beständige Relevanz dieser Unternehmensform und ordnete sie mit eindeutigen Kernaussagen ein: Genossenschaften gehören den Menschen, sind demokratisch organisiert, fördern ihre Mitglieder und verbinden regionale Verwurzelung mit globaler Verantwortung. Der kurze Film zum Jubiläum unterstrich diesen Befund und zeigte konkrete Beispiele gelebter Wertorientierung in der Praxis.

Praxisnahe Einblicke

Die darauffolgende Präsentation der Studierenden aus dem 5. Semester des Departments Rechnungswesen & Controlling ergänzte diesen Impuls durch eine angewandte Perspektive. Das Praxisprojekt demonstrierte, wie Genossenschaften entstehen und mit welchen strukturierten Schritten Gründungsprozesse nachvollziehbar gestaltet werden können. Der Zugang „Von der Idee zur Genossenschaft – mit CoopPilot“ verdeutlichte, wie theoretische Grundlagen, ein praktisches Gründungstool und konkrete Anwendungsszenarien ineinandergreifen. Die vorgestellten Ergebnisse zeigten, wie Studierende komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge operationalisieren und in eine funktionierende Gründungslogik übersetzen.

Die Projektstände der Studierenden boten einen breiten Einblick in praxisnahe Anwendungen. Drei exemplarische Konzepte verdeutlichen die Bandbreite der Arbeiten:
Die Miniaturgarage der Stadt Bruck an der Mur visualisierte anschaulich eine komplexe Motivanalyse. Anhand einer modellhaften Garage, Verkehrszeichen und Datenauswertungen wurde sichtbar, wie Nutzer*innen Mobilität entscheiden und wie eine Stadtplanung darauf reagieren kann.

Der Carrera-Bahn-Stand des KFZ-Tools der Grazer Treuhand verband Gamification mit steuerlicher Expertise. Das Rennen diente als Einstieg in ein Tool, das Fahrzeugdaten systematisch bewertet und die steuerlichen Auswirkungen unterschiedlicher Fahrzeugkategorien transparent macht. Die Besucher*innen erhielten dadurch einen unmittelbaren Einblick in die Verbindung von Spiel, Analyse und betriebswirtschaftlichem Ergebnis.

Das IM-Projekt setzte auf ein Baustellenkonzept. Im Mittelpunkt standen Prozessanalysen zu Schadensabwicklungen und die Bewertung unterschiedlicher organisatorischer Varianten. Ein Schätzspiel, eine anschauliche Prozessdarstellung sowie baustellentypische Gestaltungselemente machten sichtbar, wie Time-Driven Activity-Based Costing Unternehmen bei fundierten Entscheidungen unterstützt.

Expert*innen im Gespräch

Den Höhepunkt bildete die Podiumsdiskussion mit Expert*innen aus Wirtschaft und Genossenschaftspraxis. Dabei wurden zentrale Zukunftsfragen des kooperativen Wirtschaftens diskutiert. Die Diskussion zeigte ein breites Spektrum an Perspektiven auf das genossenschaftliche Wirtschaften und machte deutlich, wie vielgestaltig dieses Modell heute ist.

  • Josef Rieberer zeichnete das Bild einer Genossenschaft, die seit über einem Jahrhundert Stabilität, regionale Wertschöpfung und wirtschaftliche Eigenständigkeit ermöglicht. Die Brauerei Murau, 1910 als gemeinschaftlich finanziertes Projekt gegründet, steht für langfristiges Denken und resiliente Strukturen. Rieberer formulierte prägnant: „Seitdem die Genossenschaft da ist, ist es unser eigenes Eigentum. Es ist unsere eigene Verwaltung. Und es ist unsere eigenen Entscheidungen, was wir machen.“. Gerade die CO₂-Neutralität der Brauerei zeigte, wie mutige Investitionen durch regionalen Rückhalt und genossenschaftliche Geduld gelingen können.
  • Anita Pfnadschek brachte mit ihrer jungen Energiegenossenschaft eine kontrastierende Perspektive ein. Ihr Zugang ist stark von Ehrenamt und regionalem Nutzen geprägt. Die Genossenschaft bietet eine Möglichkeit, lokale Energie gemeinsam zu erzeugen und innerhalb des Tals zu teilen. Besonders charakteristisch war ihr persönlicher Zugang: „Ich finde es schön, wenn ich meinen Geschirrspüler einschalte und weiß, der Strom kommt aus dem Hofwerk.“ Die Energiegenossenschaft versteht sie als Instrument, das Menschen verbindet und regionale Identität stärkt.
  • Peter Weissl stellte den Blick des Raiffeisenverbands ins Zentrum. Er betonte die Bedeutung regional verankerter Genossenschaftsbanken für lokale Wirtschaftsstrukturen und verwies gleichzeitig auf die wachsende Belastung durch Regulatorik. Gleichzeitig schilderte er die wirtschaftlichen Herausforderungen in Bereichen wie Lagerhaus, Molkerei oder Landwirtschaft und hob die hohe Eigenkapitalausstattung sowie die Innovationskraft der Betriebe hervor. Sein Beitrag machte sichtbar, dass Genossenschaften in vielen Branchen Stabilität sichern, aber zugleich unter strukturellem Druck stehen.
  • René Thaller ordnete das Gesagte wissenschaftlich ein. Er bestätigte anhand aktueller Studien, dass Genossenschaften insbesondere in unsicheren Zeiten stabilisierend wirken. Er hob drei Faktoren hervor: kollektive Organisation mit Risikoteilung, harmonisierte Zielsysteme und soziale Teilhabe. Diese Mechanismen erklären, warum Genossenschaften weltweit robust und widerstandsfähig auftreten. Zugleich betonte er, dass Genossenschaften kontextabhängig sind und nicht überall die passende Rechtsform darstellen. Ihr Wiederaufleben sieht er aber als klare Reaktion auf gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen.

Zum Abschluss formulierten die Diskutanten jeweils eine zentrale Botschaft.

Anita Pfnadschek: „Werdets Mitglieder bei Genossenschaften!“
Josef Rieberer: Die Genossenschaft ist „moderner als je zuvor“ und ein Gegenmodell zum einseitigen Shareholder-Denken.
Peter Weissl: Genossenschaften stehen „für nachhaltiges Wirtschaften“ und sollten stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken.
René Thaller: Nicht warten, „bis es wer anderer tut“, sondern gemeinsam anpacken.

Ausklang

Beim anschließenden Ausklang mit kulinarischen Genüssen blieb Zeit für Austausch, vertiefende Gespräche und letzte Besuche der Projektstände. Das Sammeln von Buchstaben, die durch Rätsel bei den Ständen bezogen werden konnten, lohnte sich wegen der attraktiven Preise: Als Hauptpreise wurden Thermeneintritte verlost, auch Gewinne wie Adventkränze und Weinpakete sorgten für zusätzliche Begeisterung. Das Gewinnspiel bildete einen passenden Abschluss und verstärkte die Aktivität der Besucher*innen. Durch die Buchstaben an den Ständen und durch attraktive Sachpreise entstand ein spürbarer zusätzlicher Anreiz, die Vielfalt der Projekte zu erleben.

Das Best of Projects 2025 zeigte einmal mehr, wie praxisnah und zukunftsorientiert die Studierenden der FH CAMPUS 02 arbeiten. Eine gelungene Veranstaltung, die Lust auf mehr macht.