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Total digital? So fit sind steirische Studienanfänger*innen im Internet

Online-Vorlesungen, E-Books, digitale Stundenpläne. Innerhalb des letzten Jahres hat sich ein großer Teil des Studierendenlebens in den virtuellen Raum verlagert. Student*innen wechseln von Zoom- zu MS Teams-Meetings, tauschen sich währenddessen über WhatsApp mit ihren Mitstudierenden aus und checken täglich die digitalen Stundenpläne und Aufgaben in den Channels oder auf Lernplattformen. Doch welche digitalen Kompetenzen haben Erstsemestrige überhaupt und wie kann man Studierende und Lehrende am besten in Zeiten der Digitalisierung fördern?

Erstmals liefert eine umfassende Bestandsaufnahme im deutschsprachigen Raum eine verlässliche Datenbasis. Darauf will die steirische Hochschulkonferenz aufbauen und daraus resultierend Studierende und Lehrende an ihren Bedürfnissen angepasst fördern.

Die aktuelle Lage

Für Universitäten und Fachhochschulen war es oft schwierig einzuschätzen, welche Fähigkeiten und Qualifikationen sie im digitalen Kontext von ihren Erstsemestrigen voraussetzen können. Außerdem war unklar wie und in welchen Bereichen die Studierenden noch zusätzliche Unterstützung brauchten. „Es gab zwar punktuelle Beobachtungen, aber es fehlte ein fundierter, aussagekräftiger Überblick“, sagt Martin Polaschek, Rektor der Universität Graz und aktuell Vorsitzender der Steirischen Hochschulkonferenz. Erstmals liegt nun eine gesicherte Datensammlung vor, die den steirischen Hochschulraum einen Überblick über die Kompetenzen der Studienanfänger*innen liefert. Die Befragung der 4700 Erstsemestrigen im Herbst 2019 und ergänzende Interviews mit höhersemestrigen Studierenden zur Situation während der Covid-19-Pandemie lieferten wertvolle Erkenntnisse.

Die Ergebnisse

Studienanfänger*innen sind elektronisch bestens ausgerüstet. Fast jedeR der Befragten besitzt ein Smartphone und nur 29 Personen der 4700 Befragten geben an, keinen Laptop, PC oder ein Tablet zu haben.

Knapp drei Viertel geben an gute bis sehr gute Internetkenntnisse zu haben. Dabei sieht man jedoch nach wie vor ein Gender-Gap: 80% der männlichen Befragten gaben diese Selbsteinschätzung als gut oder sehr gut an und nur 67 % der weiblichen. Fast alle sind mehrmals täglich oder ununterbrochen im Internet. Nahezu jedeR Dritte gab an mit den Copyright- und Datenschutzvorgaben vertraut zu sein. Fast jedeR (94 Prozent) findet es gut, wenn Lehrveranstaltungen aus einem Mix aus Präsenz- und Online-Lehrveranstaltungen bestehen.

Die höhersemestrigen Studierenden wünschen sich einen Ausbau von digitalen Angeboten. Besonders wichtig sind ihnen dabei der Zugang zu E-Books, Journals und Programmlizenzen. Ebenfalls begrüßen sie Videoaufzeichnungen der Lehrveranstaltungen. Die Mehrheit beurteilt die Umstellung auf Online-Lehre positiv, obwohl der Arbeitsaufwand gestiegen ist.

Weitere Vorgehensweise

Bereits vor der Corona-Pandemie nahm das Online-Studium Fahrt auf. Die zwei Corona-Semester beschleunigten die Digitalisierungsschritte an den Hochschulen zusätzlich. „Wir haben bewiesen, dass sowohl Lehre als auch Forschung in Zeiten räumlicher Distanz gut funktionieren kann“, betont Rektor Polaschek.

„Auf diesen Erfahrungen sowie auf den Ergebnissen der Studie wollen wir aufbauen, um unsere insgesamt 55.000 Studierenden in der Steiermark bestmöglich zu unterstützen.“ Die steirischen Hochschulen werden nach Bedarf die notwendigen Schritte setzen und passende Maßnahmen entwickeln. Es gibt zum Beispiel Ideen, Module zu digitalem Wissen im Studium zu verankern. Weiters sollen Lehrende beim Ausbau ihrer Kompetenzen unterstützt werden und bereits erfolgreiche Qualifizierungsangebote wie die gemeinsame Hochschulraum-Initiative „edidactics“ verstärkt werden.

Die Studie „Alle(s) digital im Studium?!“ wurde von der TELS­Gruppe, einem Zusammenschluss der neun steirischen Hochschulen im Bereich Technology Enhanced Learning, unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Wirtschaftspädagogik der Universität Graz durchgeführt. Die vollständige Studie ist öffentlich und kostenlos verfügbar und hier abrufbar.