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Profitreff zum Thema Hidden Champions, 21.09.2011
Welche Besonderheiten gibt es in der Kommunikation der sogenannten Hidden Champions? Warum halten Sie sich im Hintergrund und meiden die Öffentlichkeit so weit wie möglich? Bringt ihnen diese Zurückhaltung Vorteile oder schadet sie ihnen langfristig? Zwei, die es wissen müssen, besuchten uns am 21. September im Haus der Industrie, um ihre Erfahrung mit uns zu teilen: Prof. Georg Jungwirth vom CAMPUS 02 in Graz, Verfasser einer Hidden-Champions-Studie, und Mag. Hannes Hecher, Geschäftsführer der Hauser GmbH in Linz.
Der Wissenschafter lieferte uns mit seinem Vortrag die Basis für den danach folgenden Vortrag aus der Praxis. Erste wesentliche Information: Wie werden Hidden Champions definiert und wodurch sind sie gekennzeichnet? Diesbezüglich hat Prof. Jungwirth für seine Studie eigene Kriterien eingeführt, die der Größe und Unternehmenslandschaft Österreichs angepasst sind. Heimische Hidden Champions sind demzufolge Unternehmen, die am Weltmarkt an 1., 2. oder 3. Stelle liegen oder in Europa die Nr. 1 sind. Ihr Jahresumsatz beträgt weniger als 200 Mio. Euro. In seiner Studie ermittelte Prof. Jungwirth 128 Betriebe in Österreich, die diesen Kriterien entsprechen – das waren mehr als erwartet. Mit 31 und 29 befinden sich die meisten davon übrigens in der Steiermark bzw. in Oberösterreich. Fremd- und Eigenbild der Hidden Champions stimmen nicht immer überein: In Sachen Produktquailtät sind sich Unternehmer und Kunden einig, dass das Niveau besonders hoch ist. Interessantes ergab jedoch die Frage nach der Preisgestaltung: Die Hidden Champions selbst halten sich für hochpreisig, während die Kunden den Unterschied zu anderen Lieferanten als weniger gravierend erachten.
Der Praktiker brachte uns in seinem Vortrag ein Unternehmen näher, dass kaum jemand im Publikum kannte – obwohl es in ganz Europa zu den führenden Anbietern von Kühlanlagen für den Lebensmittelhandel zählt. Hauser ist ein Familienbetrieb mit Hauptsitz in Linz, der einen Jahresumsatz von 115 Mio. Euro erwirtschaftet und 562 Mitarbeitende beschäftigt. Der Exportanteil liegt bei 76%. Der These, Hidden Champions haben ein Problem mit Kommunikation, widersprach Hannes Hecher. Im Fall von Hauser gäbe es bestimmte Bereiche, in denen man aktive Unternehmenskommunikation für wichtig halte und auch betreibe – oder zunmindest für die Zukunft anstrebe, so der Geschäftsführer. Dies sind Employer Branding, interne Kommunikation, Krisenkommunikation sowie jene mit Kunden, Lieferanten und Behörden. Was die Medien betrifft, so arbeitet Hauser nur mit der Handels-Fachpresse kontinuierlich zusammen. Auf darüber hinausgehende Presse- und Medienarbeit verzichtet man aber. Die Gründe dafür sind durchaus einleuchtend: Hidden Champions sind oft in Nischenmärkten tätig, wo sie zweierlei vermeiden wollen: Erstens, dass die Kartellbehörde sich einmischt, wenn sie einen Mitbewerber kaufen wollen; und zweitens, dass ein anderes Unternehmen auf die Idee kommt, in der lukrativen Nische mitspielen zu wollen. Beide Gefahren würde man mit zu hoher Bekanntheit fördern. Auch die sehr harten Verhandlungssituationen im Einzelhandel sind für Hauser ein Argument dafür, den eigenen Erfolg nicht zu sehr an die große Glocke zu hängen – man könnte die Kunden auf die Idee bringen, den Preis weiter zu drücken.
Die anschließende Diskussion war dennoch von der Meinung gepägt, dass auch Unternehmen wie Hauser mehr für die Profilierung des eigenen Image in der Öffentlichkeit tun sollten.

